
Die folgenden sechs Tipps sind aus Gesprächen mit Leuten entstanden, die es wissen müssen, nämlich Praktikanten in Werbeagenturen. In mehrstündigen Metaplan-unterstützten Diskussionen haben sie uns gesagt, was man am besten tun soll, wenn man in die Werbung will. Es handelte sich übrigens um Praktikanten aller Berufe, die mit Werbung zu tun haben. Einstiegswillige tun also gut daran, diese Tipps wirklich für bare Münze zu nehmen.
1. "Sei ein Dienstleister"
Wer in den Dienstleistungs-Sektor will, muss ein Dienstleister sein. Ein Dienstleister ist jemand - das formulieren die Tip-Geber knallhart - der "bereit ist, ausschließlich für seinen Job zu leben". Mach' Dir keine Illusion, nimm' Dir außer Arbeit nichts anderes vor.
Kommentar:
Es steht zu vermuten, dass vor dieser Hürde bereits viele abdrehen. Oder sie nicht ernst nehmen und hängen bleiben.
2. "Nutze alle Deine persönlichen Kontakte"
Empfohlen wird, persönliche Kontakte zu Leuten zu suchen, die in Agenturen arbeiten. Man soll mit ihnen sprechen, man soll sich im Bekanntenkreis umhören, man soll sich mit Leuten unterhalten, die in der Werbung arbeiten. Das bringe die richtige Vorstellung vom Arbeiten in der Werbung.
Kommentar:
Dieser Tipp ist umso mehr verständlich, wenn man weiß, dass auch Berufsentscheidungen in aller Regel nicht auf der Grundlage von Papierüberprüfung fallen.
3. "Frage Agenturen direkt nach Informationsmaterial"
Geraten wird, die Agenturen direkt anzusprechen und sie um Informationsmaterial zu bitten. Wenn es sich um eine größere Agentur handelt, hat sie dafür vielleicht einen zuständigen Ansprechpartner, einen Praktikanten-Betreuer, einen Personal-Verantwortlichen, einen PR-Verantwortlichen. In anderen Fällen versucht man, den Geschäftsführer zu bekommen oder dessen Assistenz.
Kommentar:
Diesen Tipp haben die Gesprächspartner selber öfter beherzigt als den Tipp, Publikationen zu nutzen (Tipp 5). Die Agentur-Adressen sind dem Telefonbuch zu entnehmen, vielleicht auch bei der Industrie- und Handelskammer zu erfragen, auch beim Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA, wobei wir aber nur eine Auswahl der insgesamt 3.000 bis 4.000 Werbeagenturen unter unserem Dach haben: 162, mit Außenbüros knapp 300. Es sind die wichtigsten Agenturen.
4. "Mache Praktika und kläre dabei, wo die Reise hingeht"
Geraten wird, Praktika, kurze oder lange, bei kleinen oder auch bei großen Agenturen zu machen, auch bei Medien, auch bei Werbungtreibenden und dem gesamten Umfeld. Das sei die Möglichkeit, zu klären, welchen Beruf in der Werbung man nun ausüben will, ob man überhaupt ein Werbetyp ist, ob das Interesse an Werbung wirklich stark genug ist. Geraten wird auch zu Praktika im Ausland.
Kommentar:
Für ein Praktikum werden zwei Hauptargumente genannt: Erstens erfährt man auf diesem Wege wirklich, was gespielt wird und zweitens sei dies die Chance, sich näher an Beschäftigung zu schieben. Vor der Berufs-Karriere steht die Praktikanten-Karriere. Es gibt (häufig unbezahlte) Kurz-Praktika, es gibt längere Praktika, Hospitanten- und Volontärs-Zeiten. Der Reiz liegt darin, dass die Chance, an interessante Aufgaben zu kommen, in Werbeagenturen wegen ihrer Aufgabenstellung und Größe besonders hoch zu sein scheint.
5. "Nutze Publikationen, Berufsmessen u.ä."
Geraten wird, sich über Fachzeitschriften, Branchendienste, Agenturführer etc. einen Überblick zu verschaffen. Hingewiesen wird auf die Berufs-Informations-Zentren. Auch Nachwuchs-Messen (wie AIESEC) werden genannt.
Kommentar:
Diesen Ratschlag haben die Ratgeber selber nur in seltenen Ausnahmen befolgt. Er rangiert auf der Prioritäten-Skala nicht vorn. Ob dies mit der Art der Informationsaufnahme oder mit der Qualität der Angebote zu tun hat, war nicht zu ermitteln.
6. "Lasse nicht locker"
Geraten wird, hartnäckig zu sein und Mut zu haben. Ob gute und motivierende Bewerberbriefe helfen, darüber gab es offenbar unterschiedliche Erfahrungen. 0815-Briefe und zu originelle Briefe haben gleichermaßen schlechte Chancen. Die Grundtendenz der Praktiker war: Wer aufgibt, hat selber schuld.
Schluss-Kommentar:
Dem Nachwuchs ist sein berufliches Fortkommen zu wichtig, als dass er sich auf die Arbeit staatlicher oder sonstiger Institutionen verlassen möchte. Er nimmt es in die eigenen Hände. Er hat auch begriffen, dass die Berufswelt — das gilt auch für die Werbewelt — so unübersichtlich geworden ist, dass noch so kluge und umsichtig geschriebene Informationsschriften keinen vollen Durchblick geben können.
Wir als Verband werden unser Informationsverhalten auf diese Bedürfnisse ausrichten und uns noch stärker darauf beschränken, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.
Dr. Henning von Vieregge