Art Buyer / FFF Producer
Ein Drehtag futsch, vier Autos Schrott, aber die Szene ist noch immer nicht im Kasten. Das wird teuer. Fragt sich nur, für wen. Für die Werbeagentur, die den betreffenden Spot für einen Automobilhersteller in Auftrag gegeben hat? ...
... Oder etwa für die Filmproduktionsfirma, die eigentlich zugesagt hatte, den Dreh an einem Tag abschließen zu können? Hier ist der so genannte FFF-Producer gefragt. Er gehört wie der Art-Buyer zu jenen Servicekräften in den Agenturen, die eher im Hintergrund wirken und daher in der Außenwahrnehmung etwas im Schatten der Kreativen und Berater stehen. Art-Buyer und FFF-Producer sind im Prinzip Einkäufer, tun aber weit mehr, als nur einzukaufen. Sie beraten die Kreativen, begleiten die Produktion von Werbespots oder -anzeigen und prägen das, was am Ende zu sehen und zu hören ist, in ganz entscheidendem Maße mit.
Der Art-Buyer kümmert sich dabei um zweidimensionale Werbeformen, also um Grafiken und Fotos.
... Cornelia Richter übt diesen Beruf schon seit 1982 aus und kommt bei ihrer Agentur Leo Burnett damit wahrscheinlich auf eine absolute Rekordverweildauer. Eine wirklich vorbereitende Ausbildung gibt es für den Art-Buyer nicht. Verbreitet sind Quereinstiege, gelernt wird in der Praxis. Man beginnt als Assistent beziehungsweise Junior und arbeitet sich zum Senior-Art-Buyer hoch. Diesen Weg ist auch die gelernte Werbekauffrau Richter gegangen. Im Idealfall bringen Art-Buyer recht unterschiedliche Fähigkeiten mit. Die nahe liegendste: „Ein visueller Mensch sollte man schon sein", sagt Richter. Das heißt Sinn für Ästhetik und - vielleicht noch wichtiger - ein möglichst gutes Bildgedächtnis haben. Die Art-Buyerin besucht jegliche Kunstausstellungen, um hier auf dem Laufenden zu sein, sichtet Zeitschriften und Arbeitsproben, die bei ihr auf dem Tisch landen. Weiterbildung in Sachen Kunst hält Richter für unerlässlich.
Daneben brauchen Art-Buyer ein Gespür für Zahlen ...
... "Ich muss immer versuchen, für ein bestehendes Budget die bestmögliche kreative Leistung einzukaufen." Damit das gelingt, schöpft Richter aus einem großen Netzwerk von Fotografen unterschiedlichster Spezialisierung. Der eine kann Lebensmittel besonders gut fotografieren, der andere ist Modespezialist. Von drei bis vier Fotografen fordert Richter Arbeitsproben an. Einer erhält den Zuschlag, wobei häufig nicht allein sein Können den Ausschlag gibt, sondern auch, ob er mit dem Art-Director der Agentur auf einer Wellenlänge liegt. Aber auch die zunächst vielleicht trocken anmutende juristische Seite sollte den angehenden Art-Buyer zumindest nicht abstoßen. Mit Urheber- und Personenrechten sollte sich ein Art Buyer auskennen, "denn deren Missachtung kann schwerwiegende Konsequenzen haben", betont Richter.
Außer um Fotografen kümmert sich der Art-Buyer auch um Grafiker. Allerdings sind grafische Werbeillustrationen hierzulande längst nicht so verbreitet wie in anderen Ländern ...
Die drei "F" in der Bezeichnung FFF-Producer stehen für „Film-Funk-Fernsehen". Den weitaus größten Anteil an der Arbeitszeit nimmt dabei das Film-"F" ein. Nicht jede Werbeagentur leistet sich einen solchen Spezialisten, in den größeren ist er aber in der Regel zu finden. Der Prozess, mit dem es ein FFF-Producer zu tun hat, ähnelt demjenigen eines Art-Buyers. Er oder sie erhält vom Kreativen ein Storyboard oder ein Treatment, also das gezeichnete oder geschriebene Drehbuch des Werbefilms. Dann macht sich der FFF-Producer auf die Suche nach einem geeigneten Regisseur. Rafaela Bonato, FFF-Producer bei Leo Burnett in Frankfurt, kann auf ein großes Archiv mit Filmen verschiedener Regisseure zu verschiedenen Themen zurückgreifen. Mit den Jahren wisse man aber auch, wer was kann: „Es gibt Auto-, Beauty- und Food-Spezialisten, Experten für Storytelling, Humor und Action beziehungsweise Special-Effects", erklärt Bonato in fließendem Werbisch.
Für jeden Auftrag würden drei bis vier Regisseure angefragt. Diese schreiben zu dem Storyboard oder Treatment eine so genannte „Director's Interpretation", in der sie die Anforderungen an den Dreh spezifizieren. Anhand dieses Papiers kalkuliert die Filmproduktionsfirma die Kosten des Spots. Für die Einhaltung des Budgets muss Bonato anschließend Sorge tragen, was ihr nach eigenen Angaben bisher stets gelungen ist, wenn auch teilweise nur mittels harter Verhandlungen. Schließlich überwacht der FFF-Producer die Dreharbeiten vor Ort. Bevorzugte Drehorte sind im Winter Südamerika und vor allem Südafrika, im Sommer ziehen Werbefilmproduktionen derzeit gern nach Osteuropa. Reisetätigkeit ist also garantiert.
Wie beim Art-Buying gibt es auch für den FFF-Producer keine konkrete Ausbildung ...
... Rafaela Bonato hat vor ihrer jetzigen Tätigkeit bei verschiedenen Filmproduktionen gearbeitet. "Das ist sehr nützlich, denn man versteht die andere Seite besser in Bezug auf Timing und Kosten." Bonato ist leidenschaftliche Kinogängerin, „ich schaue mir auch schon mal drei Filme hintereinander an." Ebenso leidenschaftlich versucht sie, für eine in ihren Augen herausragende Werbeidee einzutreten. „Wenn ich eine gute Idee auf den Tisch bekomme, brenne ich dafür und gebe Vollgas", sagt Bonato. Dies führt regelmäßig zu Diskussionen, hier sind Diplomatie und auch schon mal ein dickes Fell gefragt. Denn stets befindet sich der FFF-Producer in der Sandwich-Position zwischen dem Kundenberater der Agentur, der traditionell eher die risikoscheue Position des werbenden Unternehmens vertritt, und dem Kreativen, der seine Ideen realisiert sehen möchte.
Flexibilität und Organisationstalent sind ebenfalls unverzichtbar. „Ich betreue manchmal fünf Kunden gleichzeitig, die allesamt unterschiedliche Ansprüche haben." Und, aber das ist in der Branche ohnehin üblich: Bei Arbeitszeiten von in der Regel 60 Stunden braucht man Ausdauer. Übrigens: Den Schaden im Auto-Spot-Beispiel trug letztlich zum größten Teil die Filmproduktionsfirma.
