Wie ticken die in der Werbung eigentlich? Oder: Das GWA Junior Agency Projekt

Die meisten glauben, Werber tragen alle schwarz, schlendern den ganzen Tag von einem Meeting ins nächste und trinken schon morgens Prosecco.

 

Und wer genauer wissen will, wie Werber eigentlich ticken, der kann – sofern er Student ist – am GWA Junior Agency Projekt teilnehmen. Was das ist? Ein vom GWA (Gesamtverband der Kommunikationsagenturen – Herausgeber dieser schönen Seite hier :-)   ) initiiertes Projekt, das Hochschulen und Agenturen näher zusammenbringen soll und den Studenten einen Enblick in das wahre Werberleben ermöglichen soll. Auf einer reellen Problemstellung eines Kunden der Agentur erarbeiten Studententeams ein Semester lang Kommunikationskonzepte, die zu Semesterende dann im Wettbewerb zu anderen Studenten-Agentur-Teams präsentiert und von einer Jury prämiert werden.

 

Wir nehmen als Agentur schon seit dem Start den Projektes 2002 teil und ich bin fast seit diesem Zeitpunkt hier bei uns für das Projekt verantwortlich. Letztes Jahr haben wir gemeinsam mit der Hochschule Niederrhein und unserem Kunden Golden Toast Gold und den Publikumpreis gewonnen. Mehr hier http://www.gwa.de/job-karriere/gwa-junior-agency/historie/11-gwa-junior-agency/

 

Tja, und nun sind wir seid einigen Wochen mitten im nächsten GWA Junior Agency Projekt. Im Oktober haben wir unsere Studenten (wieder die Hochschule Niederrhein) gebrieft, ihnen also die Aufgabenstellung gegeben, und seit dem arbeiten alle ganz fleißig an einer überraschenden Idee. Näheres wird natürlich noch nicht verraten, schließlich liest die Konkurrenz mit.

Aber am 27.2. ist das große Finale in Wiesbaden. Danach berichte ich dann!

 

Schande auf mein Haupt…

…ich bin wirklich eine untreue Bloggerin.

 

Die letzten Wochen waren voll von Projekten und Terminen. Darüber habe ich dieses Blog hier leider etwas vernachlässigt.

Aber ich gelobe Besserung und werde euch nun nach und nach berichten, was mich in den vergangenen Wochen beschäftigt hat.

Eure

Mandy

 

Die Bewerbung – bitte nicht zu kreativ

Ich habe euch ja schon ein paar Tipps für das Anschreiben gegeben. Aber natürlich gehört ein bisschen mehr in eine gute und vollständige Bewerbung. Nämlich:

Lebenslauf

Zeugnisse

Praktika-Bescheinigungen, Teilnahmebescheinigungen (Sprachkurs, Computerkurs etc.)

Nun werden viele von euch die Idee haben, durch eine besonders kreative Bewerbung aus der Masse der Bewerber hervorstechen zu wollen. Eigentlich eine gute Idee. Doch bitte nehmt Abstand von allzu kreativen Bewerbungen. Hier einige vermeintliche Highlights, die meist nach hinten los gehen bzw. gegangen sind.

1. Oft, nahezu einmal in der Woche, bekommen wir Bewerbungen, die das vermeintlich lustige Wortspiel “Be-Werbung” auf dem Deckblatt prangen haben. Dass in dem Wort “Bewerbung” das Wort “Werbung” steckt, ist uns bekannt. Lasst solche Wortspiele besser aus eurer Bewerbung raus. Das hat man bzw. frau schon zu oft gelesen, als dass es noch als witzig und kreativ gelten kann.

2. Auch das hat jeder Personaler schon mehrfach erlebt: Per Post landet kein Brief, sondern gleich ein ganzes Päckchen auf dem Schreibtisch. Inhalt: Stroh. Und ein kleiner Zettel: “Sie suchen die Nadel im Heuhaufen? Sie haben sie gefunden: Mich!” Beim ersten Mal schmunzelt man noch. Bekommt man des Öfteren ein solches Päckchen, hält sich die Überraschung in Grenzen.

3. Einer unserer Evergreens bei GREY. Ich würde behaupten, eine solche Bewerbung haben noch nicht viele Personaler bekommen. Aber ihr werdet mir nachher sicher zustimmen, dass das nicht allzu tragisch ist. Also, gedacht war diese Bewerbung wirklich nett. Der Bewerber hatte seine Bewerbung, oder zumindest das Deckblatt der Bewerbung, mit Kartoffeldruck gestaltet. Ok, man kann sich jetzt streiten, ob das kreativ ist oder nicht, aber zumindest ist es ausgefallen bzw. ungewöhnlich. Zum Beweis, dass er tatsächlich mit Kartoffeln gearbeitet hat, dachte sich der Bewerber: “Pack ich die Kartoffeln doch gleich mit in die Bewerbung!” Gesagt, getan. Päckchen auf, Bewerbung und Kartoffeln rein, ab zur Post. Wie gesagt, nette Idee. Wäre es jedoch nicht Hochsommer und somit über 30 Grad heiß gewesen. Denn als wir das Päckchen hier öffneten, waren wir gar nicht so begeistert. Verschimmelte Kartoffeln riechen ganz schön fies.

4. Und noch ein großes Highlight in unserer Bewerbungs-Hitliste: Wieder ein kleines Päckchen. Wieder ein Zettel. Diesmal klebte auf ihm ein Tampon. Notiz: “Wenn Sie wissen wollen, was noch in mir steckt, laden Sie mich ein.” Das fanden wir schon ein bisschen grenzwertig ehrlich gesagt.

 

Oberstes Gebot: Pflege dein Netzwerk

Was bei studivz noch größtenteil aus Spaß an der Freude passiert, solltet ihr unbedingt ins Berufsleben übertragen: Kontakte knüpfen und plegen!

Die Werbebranche sieht von Außen betrachtet groß aus. Ist sie aber nicht. Im Grunde kennt jeder jeden. Im Schnitt wechseln Werber – ich habe keine genauen Zahlen, aber gefühlt und erfahrungsgemäß- alle 3-5 Jahre (Kreative, also Art Directoren und Texter teilweise noch schneller) die Agentur. Im Laufe eines also gar nicht allzu langen Werber-Lebens hat man schon die unterschiedlichsten Agenturen und Menschen kennengelernt. Und auch wenn ihr jetzt erst am Anfang eurer Karriere steht: Ihr arbeitet jeden Tag mit Kollegen zusammen, die mitten in einer solchen Laufbahn stecken und schon unzählige wichtige Kontakte geknüpft haben. Nutz das!

Mein Tipp also: Neben studivz ruckzuck einen Account bei xing.com anlegen! Hier wird euch das Netzwerk anlegen und pflegen super einfach gemacht. Hier seht ihr, wer wen über welchen Ecken kennt, könnt euch ein Netzwerk an Kontakten aufbauen und es wird euch sicher nützlich sein. Ihr könnt nicht nur verfolgen, welche Karrierewege eure Kollegen gegangen sind, sondern ihr könnt auch zu ehemaligen Kollegen prima Kontakt halten. So entsteht nach und nach ein Netzwerk, was euch in mehrerer Hinsicht helfen wird. Ihr könnt Business-Angebote online stellen, könnt aber auch aktiv mit Unternehmen in Kontakt treten. Und – sehr wichtig – viele Jobangebote warten auf euch. Entweder werden diese von Unternehmen auf dem Stellenmarkt von xing angeboten oder – und das passiert sehr oft – ihr werdet direkt auf Karrierechancen angesprochen. Von Headhuntern, die xing als Such-Tool für gute Kandidaten nutzen, oder von den Unternehmen direkt.

Probiert es aus. Ich bin sicher, es wird sich für euch lohnen!

 

Das Anschreiben

Das Schwierigste an einer Bewerbung ist das Anschreiben.

Hier gilt es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Interesse zeigen und Interesse wecken herzustellen.

 

Zum einen möchten Personaler sehen, dass ihr euch mit der Agentur in der ihr euch bewerbt, beschäftigt habt. Informiert euch also gut über die jeweilige Agentur und nennt Wichtiges in eurer Bewerbungen. Geht zum Beispiel auf interessante Kunden ein oder auf Preise, die die Agentur für ihre Werbung erhalten hat. Oder auf die Art, wie sich die Agentur für Azubis und Mitarbeiter engagiert.

Im nächsten Schritt ist es dann ganz wichtig, dass ihr Neugierde weckt. Neugierde auf eure Person. Stellt euch also möglichst persönlich vor und verzichtet auf allgemeine Floskeln wie „ich bin besonders kreativ“. Das schreibt jeder. Richtig kreativ ist der, der in seiner Bewerbung deutlich macht, dass er ein kreativer Mensch ist, ohne das Wort kreativ zu nennen. Ich weiß, schwierige Aufgabe. Aber ihr seid clever, ich wette ihr bekommt das hin!

 

Noch ein paar allgemeine Dinge.

  • Versucht möglichst, einen direkten Ansprechpartner für eure Bewerbung ausfindig zu machen und vermeidet Anreden wie „Sehr geehrte Damen und Herren“. Wenn ihr euch auf eine Anzeige hin bewerbt, ist dort ja der Ansprechpartner genannt. Ansonsten informiert euch auf der Website der Agentur, wer euer Ansprechpartner ist.
  • Versucht möglichst, das Anschreiben nicht länger als eine Seite werden zu lassen. Zu viel Text erschlägt eher, als das er Neugierde weckt.
  • Vergesst auf keinen Fall – ich hab auch nicht geglaubt, dass das passieren kann, aber es passiert tatsächlich! – eure Kontaktdaten in der Bewerbung anzugeben. Schließlich wollt ihr den Job doch bekommen, oder? Also gebt bitte alle Kontaktmöglichkeiten (Adresse, Telefonnummer, Email-Adresse etc.) an. Wir haben wirklich schon Bewerbungen bekommen, deren Absender wir gerne kennengelernt hätten, es uns jedoch unmöglich war, den- oder diejenige zu kontaktieren, weil sämtliche Kontaktdaten fehlten.

 

Und dann prüft bitte bevor ihr die Bewerbung abschickt noch einmal eingehend – das ist erst gemeint! – ob ihr das richtige Anschreiben an die richtige Agentur schickt und ob ihr den richtigen Ansprechpartner genannt habt. Wir Personaler kennen uns untereinander und es passiert nicht selten, dass ich Bewerbungen auf den Tisch bekomme, bei denen im Briefkopf zwar noch GREY steht, im Text dann aber beispielsweise „Liebe Annett Hausmann“ folgt. Annett arbeitet bei der TBWA…

Nicht, dass wir nicht wüssten, dass ihr euch bei mehreren Agenturen bewerbt. Das ist uns bewusst und es wäre auch dumm, dies nicht zu tun. Aber ich hätte dann doch gern ein an mich gerichtetes Anschreiben und nicht das für Annett (Liebe Grüße übrigens, falls du das liest, Annett J).

 

Wo wir gerade dabei sind, hier noch ein Kardinalsfehler.

Einige von euch sind sich vielleicht sicher, dass es eine kaufmännische Ausbildung sein soll, aber in welcher Branche, das steht für euch noch nicht fest. Das ist nicht schlimm. Bewerbt euch ruhig als Kauffrau/-mann für Marketingkommunikation und als Veranstaltungskauffrau oder Bürokauffrau oder oder oder. Nur bitte stellt sicher, dass die Bewerbungen jeweils beim richtigen Unternehmen ankommen. Wer hier nicht aufpasst und einer Agentur zum Beispiel eine Bewerbung als Floristin oder Friseurin schickt – echt vorgekommen! – der wird wohl lange auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch warten müssen.