Die Bewerbung – klassisch per Post oder per Email?

Auf den Weg zu einer tollen Ausbildungsstelle bzw. einem tollen Job hat der liebe Gott leider einige Stolperfallen eingebaut.
Die erste ist die Bewerbung.

Die hierbei erste entscheidende Frage: Bewerbe ich mich klassisch mit einer Bewerbungsmappe per Post oder bewerbe ich mich per Email?

Grundsätzlich geht beides – es sei denn, die jeweilige Agentur schließt einen dieser Bewerbungswege in der Stellenanzeige aus.
Kleiner Hinweis: Bei uns bewerben sich die meisten Azubis noch mit einer klassischen Bewerbungsmappe, für alle anderen Positionen bekomme ich eigentlich nur noch Online-Bewerbungen.

Der Vorteil einer Bewerbungsmappe:
Der Inhalt ist automatisch gebunden, sortiert und somit leichter zu erfassen/zu lesen. Rein formell kann man mit einer Bewerbungsmappe keine Fehler machen. Es sei denn, es fliegen einem beim Öffnen der Mappe sämtliche Blätter entgegen, weil der Bewerber den Sinn der Klammern bzw. Heftungsmöglichkeiten nicht erkannt hat – Oder noch schlimmer: Man oder Frau öffnet den Briefumschlag und es flattern einem nur lose Blätter OHNE Mappe entgegen. Wer sich so bewirbt, bekommt seine Blättersammlung mit großer Wahrscheinlichkeit direkt wieder zurück.

Der Nachteil einer Bewerbungsmappe:
Irgendwie wird sie langsam altmodisch. Mit ihr macht man wie oben geschrieben sicher nichts falsch, aber eben auch nichts außergewöhnlich gut. Wenn man als Agentur durchschnittlich 700 (!!!) Azubi-Bewerbungen pro Jahr bekommt (auf „feste“ Stellen bekommen Agenturen weniger, aber immer noch unendlich viele Bewerbungen), dann haben es Bewerbungen in einer klassischen Bewerbungsmappe schon allein äußerlich schwieriger aufzufallen.

Der Vorteil von Online-Bewerbungen:
Du kannst deiner Bewerbung deine persönliche Note einhauchen. Es gibt kein äußerliches Raster, in die du deine Bewerbung „quetschen“ musst, sondern du bist frei in der Gestaltung deiner Bewerbung. Ob Powerpoint-Präsentation oder einfach nur ein schickes Layout (was natürlich auch bei einer postalischen Bewerbung möglich ist, aber meist nicht passiert), alles ist möglich. Und außerdem spart man bei Online-Bewerbungen natürlich die Kosten für Bewerbungsmappen und Porto.

Der Nachteil von Online-Bewerbungen:
Meist sind sie unübersichtlicher. Denn was sich wohl noch nicht rumgesprochen hat: Weniger ist mehr.
Weniger zum einen in Bezug auf die Anzahl der Anhänge. Bitte niemals (!!!!) eure Dokumente (Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse etc.) in mehr als 5 einzelnen Anhängen mitschicken. Am besten alles in ein PDF packen, das ist am einfachsten. Niemand hat Lust, sich durch 20 Anhänge zu klicken und für jedes Zeugnis Puzzle oder „finde Seite 2“ zu spielen.
Weniger ist zum anderen mehr in Bezug auf die Art wie ihr euch darstellt. Klar, die Werbung ist eine Welt voller Kreativen und jeder will zeigen, dass er oder sie besonders kreativ ist. Aber zu viel Farbe und TamTam geht nach hinten los. Schlichte Gestaltung und die Fokussierung auf das Wesentliche sind eher erfolgsbringend.

 

Come in and find out – Komm rein und finde wieder heraus? Oder wie oder was?

Englische Claims – nicht nur Otto-Normal-Verbraucher, sondern auch Werber verstehen manchmal nicht, was sich die Kollegen damit gedacht haben.

EIn bisschen Licht im Dunkel gefällig?

Die w&v (Werben und Verkaufen – wichtig, merken!!) hilft:

http://www.wuv.de/aktion/claims/index.php

 

Wer bildet aus?

Grundsätzlich kann man sagen: (Fast) Jede Agentur.

Das Schwierige: Laut Wikipedia gibt es aktuell über 12.000 Werbeagenturen in Deutschland.

 

Um eure Suche ein wenig einzugrenzen findet ihr hier http://www.gwa.de/gwa/mitgliederliste/ eine Liste, aller im GWA (Gesamtverband der Kommunikationsagenturen) gelisteten Agenturen.

Wenn ihr darüber hinaus Agenturen in eurer Nähe sucht, helfen vermutlich am besten die Gelben Seiten.

 

Mein Tipp: Informiert euch auf den Websiten der Agenturen, ob und welche Ausbildungsstellen diese anbieten und bezieht euch dann in eurer Bewerbung auf diese Anzeige.

 

Gute Frage: Große oder kleine Agentur?

Ihr seid einen Schritt weiter und wisst nun: Ja, ich will in die Werbung.

Prima. Dann kommt jetzt die nächste wichtige Entscheidung: Gehe ich in eine kleine oder eine große Agentur?

Auch das ist wieder eine Typfrage. Ich habe beides kennengelernt und folgende Erfahrung gemacht:

 

In einer kleinen Agentur trifft man der Natur nach auf einen eher überschaubaren Kreis an Kollegen. Das Miteinander ist sehr familiär und somit sehr vertraut und eng. Schaut man sich das Kundenportfolio an, so findet man dort meist regionale Firmen. Deren Aufträge sind eher print-lastig (Broschüren, Geschäftsausstattung, Flyer, Angebotsanzeigen etc.).  Gefragt sind hier Allround-Talente, die den Kunden beraten und seine Aufträge annehmen, die Angebote einholen, die auch „mal eben“ selber eine Anzeige layouten, die zur Druckerei fahren und die Anzeige/Broschüre oder ähnliches abnehmen und die zum Schluß dann auch die Rechnung an den Kunden schicken.

 

In einer großen Agentur arbeitet man mit vielen Kollegen zusammen. Und man trifft des Öfteren auf jemanden, bei dem man sich ganz sicher ist, denjenigen noch nie gesehen zu haben. Der Umgang miteinander ist innerhalb der Teams familiär. Teamübergreifend kennt man vielleicht nicht zu jedem Gesicht den passenden Namen, aber trotzdem herrscht eine offene, freundschaftliche und angenehme Atmosphäre. Die Kunden sind meist große oft auch internationale Unternehmen mit bekannten Marken. Sie wünschen sich ganzheitliche Kommunikationskonzepte, die auf einer Idee fußen, die sich über alle Kommunikationskanäle umsetzen lässt. Klassisch entwickeln große Agenturen also TV- und Radio-Spots, Anzeigen, Plakate etc., aber zunehmend eben auch Maßnahmen abseits dieser Kanäle.  In großen Agenturen arbeiten Spezialisten, die jeweils einen kleinen Ausschnitt eines Projektes betreuen und dieses dann an den nächsten Kollegen weitergeben. Ein kleines und stark verkürztes Bespiel: Der Kundenberater stimmt den Auftrag mit dem Kunden ab und übersetzt den Wunsch des Kunden in ein Briefing, welches er an die Kreation gibt. Texter und Art Director entwickeln die Idee und legen fest, mit welchem Medium (bspw. TV-Spot) die Idee transportiert werden soll. Danach wird die FFF (Film-Funk-Fernseh-Abteulung) ins Boot geholt, damit die dortigen Producer dann Regisseur und Dreh-Location auswählen können.  Nach dem Dreh überwachen Art Director und Producer die Post-Production (Nachbearbeitung des TV-Spots), während der Kundenberater den Kunden ständig informiert hält und letztendlich seine Freigabe für den endgültigen Spot einholt. In Nebenrollen treten hier eigentlich noch das Planning, die Marktforschung, das Projektmanagement und viele weitere auf. Aber das würde den Rahmen sprengen.

 

Wie ihr hoffentlich seht, sind die Herausforderungen und Anforderungen in großen und kleinen Agenturen ganz unterschiedliche. Und die eigentlich Frage, die sich jeder vor der Bewerbung stellen sollte, ist eine ganz simple: Bin ich eher Generalist oder Spezialist? Mag ich es lieber klein, familiär und national oder groß, freundschaftlich und international?

 

Diese Frage kann sich nur jeder selbst beantworten, es gibt kein Richtig oder Falsch.

Ich habe eine Antwort auf diese Frage über Praktika und somit über das Erleben beider Modelle gefunden. Wenn ihr die Möglichkeit habt, Praktika zu machen, würde ich euch diesen Weg empfehlen. Und falls ihr keine Praktika (mehr) machen könnt und euch nicht sicher seid, welcher Agenturtyp besser zu euch passt, dann bewerbt euch am besten sowohl bei einer oder mehreren großen und kleinen Agenturen und prüft im Bewerbungsgespräch, welches Modell besser zu euch passt.

 

Passe ich zur Branche und sie zu mir?

Hier kommt mein erster Tipp für alle, die überlegen in die Werbebranche einzusteigen. Wie bei einer Hochzeit gilt auch hier: Drum prüfe wer sich (ewig) bindet.

 

Die Werbebranche ist eine ganz tolle und die einzig richtige. Wenn man der Typ dafür ist.

Wer auf der Suche nach einem Job ist, der morgens um 9 Uhr beginnt und bei dem man pünktlich um 17 Uhr den Stift fallen lassen kann, der wird in Agenturen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht sein Glück finden.

Natürlich sind die Horrorgeschichten über unzählige Überstunden auch nicht die ganze Wahrheit. Aber: Die Werbebranche ist eine Dienstleistungsbranche. Und das heißt,

a. wenn der Kunde um 17 Uhr anruft und noch einen dringenden Wunsch hat, dann hat dieser Priorität und

b. wenn ein Projekt es erfordert, dass man noch ein bisschen Gehirnschmalz in es investiert, dann hat auch das Priorität.

 

Nun könnte man meinen, in Agenturen laufen lauter kleine und große Roboter durch die Gegend, die weder Freizeit noch Privatleben brauchen. Das ist natürlich nicht so! Aber eines stimmt: Für uns ist die Arbeit mehr als reines Abarbeiten von Aufgaben um am Ende des Monats einen gewissen Betrag an Euros auf dem Konto zu haben: Wir alle lieben was wir tun! Gut, an manchen Tagen mehr und an manchen Tagen sicher auch mal weniger. Aber im Grunde sind wir alle hier, weil wir großen Spaß an dem haben, was wir tun. Für uns verschmilzt Arbeit und Leben. Wir sind eher Freunde als Kollegen. Wir kickern auch mal zwischendurch oder spielen Playstation und Wii. Kurz: In Agenturen wird Wert darauf gelegt, dass man sich wohl fühlt. Es werden Rückzugsmöglichkeiten geschaffen, in denen man leichter auf die berühmten richtig guten Ideen kommt, als im kahlen Büro. Nur – und das ist logisch – die beim Kickern entstandenen Ideen müssen danach dann eben auch umgesetzt werden.

 

Daher: Wenn du ein offener, neugieriger, kreativer und leidenschaftlicher Mensch bist, der es liebt im Team zu arbeiten und der Kämpfergeist beweist, wenn es mal knifflig wird, dann bist du in der Werbung genau richtig!