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Die Bewerbung – bitte nicht zu kreativ

Ich habe euch ja schon ein paar Tipps für das Anschreiben gegeben. Aber natürlich gehört ein bisschen mehr in eine gute und vollständige Bewerbung. Nämlich:

Lebenslauf

Zeugnisse

Praktika-Bescheinigungen, Teilnahmebescheinigungen (Sprachkurs, Computerkurs etc.)

Nun werden viele von euch die Idee haben, durch eine besonders kreative Bewerbung aus der Masse der Bewerber hervorstechen zu wollen. Eigentlich eine gute Idee. Doch bitte nehmt Abstand von allzu kreativen Bewerbungen. Hier einige vermeintliche Highlights, die meist nach hinten los gehen bzw. gegangen sind.

1. Oft, nahezu einmal in der Woche, bekommen wir Bewerbungen, die das vermeintlich lustige Wortspiel “Be-Werbung” auf dem Deckblatt prangen haben. Dass in dem Wort “Bewerbung” das Wort “Werbung” steckt, ist uns bekannt. Lasst solche Wortspiele besser aus eurer Bewerbung raus. Das hat man bzw. frau schon zu oft gelesen, als dass es noch als witzig und kreativ gelten kann.

2. Auch das hat jeder Personaler schon mehrfach erlebt: Per Post landet kein Brief, sondern gleich ein ganzes Päckchen auf dem Schreibtisch. Inhalt: Stroh. Und ein kleiner Zettel: “Sie suchen die Nadel im Heuhaufen? Sie haben sie gefunden: Mich!” Beim ersten Mal schmunzelt man noch. Bekommt man des Öfteren ein solches Päckchen, hält sich die Überraschung in Grenzen.

3. Einer unserer Evergreens bei GREY. Ich würde behaupten, eine solche Bewerbung haben noch nicht viele Personaler bekommen. Aber ihr werdet mir nachher sicher zustimmen, dass das nicht allzu tragisch ist. Also, gedacht war diese Bewerbung wirklich nett. Der Bewerber hatte seine Bewerbung, oder zumindest das Deckblatt der Bewerbung, mit Kartoffeldruck gestaltet. Ok, man kann sich jetzt streiten, ob das kreativ ist oder nicht, aber zumindest ist es ausgefallen bzw. ungewöhnlich. Zum Beweis, dass er tatsächlich mit Kartoffeln gearbeitet hat, dachte sich der Bewerber: “Pack ich die Kartoffeln doch gleich mit in die Bewerbung!” Gesagt, getan. Päckchen auf, Bewerbung und Kartoffeln rein, ab zur Post. Wie gesagt, nette Idee. Wäre es jedoch nicht Hochsommer und somit über 30 Grad heiß gewesen. Denn als wir das Päckchen hier öffneten, waren wir gar nicht so begeistert. Verschimmelte Kartoffeln riechen ganz schön fies.

4. Und noch ein großes Highlight in unserer Bewerbungs-Hitliste: Wieder ein kleines Päckchen. Wieder ein Zettel. Diesmal klebte auf ihm ein Tampon. Notiz: “Wenn Sie wissen wollen, was noch in mir steckt, laden Sie mich ein.” Das fanden wir schon ein bisschen grenzwertig ehrlich gesagt.

 

Das Anschreiben

Das Schwierigste an einer Bewerbung ist das Anschreiben.

Hier gilt es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Interesse zeigen und Interesse wecken herzustellen.

 

Zum einen möchten Personaler sehen, dass ihr euch mit der Agentur in der ihr euch bewerbt, beschäftigt habt. Informiert euch also gut über die jeweilige Agentur und nennt Wichtiges in eurer Bewerbungen. Geht zum Beispiel auf interessante Kunden ein oder auf Preise, die die Agentur für ihre Werbung erhalten hat. Oder auf die Art, wie sich die Agentur für Azubis und Mitarbeiter engagiert.

Im nächsten Schritt ist es dann ganz wichtig, dass ihr Neugierde weckt. Neugierde auf eure Person. Stellt euch also möglichst persönlich vor und verzichtet auf allgemeine Floskeln wie „ich bin besonders kreativ“. Das schreibt jeder. Richtig kreativ ist der, der in seiner Bewerbung deutlich macht, dass er ein kreativer Mensch ist, ohne das Wort kreativ zu nennen. Ich weiß, schwierige Aufgabe. Aber ihr seid clever, ich wette ihr bekommt das hin!

 

Noch ein paar allgemeine Dinge.

  • Versucht möglichst, einen direkten Ansprechpartner für eure Bewerbung ausfindig zu machen und vermeidet Anreden wie „Sehr geehrte Damen und Herren“. Wenn ihr euch auf eine Anzeige hin bewerbt, ist dort ja der Ansprechpartner genannt. Ansonsten informiert euch auf der Website der Agentur, wer euer Ansprechpartner ist.
  • Versucht möglichst, das Anschreiben nicht länger als eine Seite werden zu lassen. Zu viel Text erschlägt eher, als das er Neugierde weckt.
  • Vergesst auf keinen Fall – ich hab auch nicht geglaubt, dass das passieren kann, aber es passiert tatsächlich! – eure Kontaktdaten in der Bewerbung anzugeben. Schließlich wollt ihr den Job doch bekommen, oder? Also gebt bitte alle Kontaktmöglichkeiten (Adresse, Telefonnummer, Email-Adresse etc.) an. Wir haben wirklich schon Bewerbungen bekommen, deren Absender wir gerne kennengelernt hätten, es uns jedoch unmöglich war, den- oder diejenige zu kontaktieren, weil sämtliche Kontaktdaten fehlten.

 

Und dann prüft bitte bevor ihr die Bewerbung abschickt noch einmal eingehend – das ist erst gemeint! – ob ihr das richtige Anschreiben an die richtige Agentur schickt und ob ihr den richtigen Ansprechpartner genannt habt. Wir Personaler kennen uns untereinander und es passiert nicht selten, dass ich Bewerbungen auf den Tisch bekomme, bei denen im Briefkopf zwar noch GREY steht, im Text dann aber beispielsweise „Liebe Annett Hausmann“ folgt. Annett arbeitet bei der TBWA…

Nicht, dass wir nicht wüssten, dass ihr euch bei mehreren Agenturen bewerbt. Das ist uns bewusst und es wäre auch dumm, dies nicht zu tun. Aber ich hätte dann doch gern ein an mich gerichtetes Anschreiben und nicht das für Annett (Liebe Grüße übrigens, falls du das liest, Annett J).

 

Wo wir gerade dabei sind, hier noch ein Kardinalsfehler.

Einige von euch sind sich vielleicht sicher, dass es eine kaufmännische Ausbildung sein soll, aber in welcher Branche, das steht für euch noch nicht fest. Das ist nicht schlimm. Bewerbt euch ruhig als Kauffrau/-mann für Marketingkommunikation und als Veranstaltungskauffrau oder Bürokauffrau oder oder oder. Nur bitte stellt sicher, dass die Bewerbungen jeweils beim richtigen Unternehmen ankommen. Wer hier nicht aufpasst und einer Agentur zum Beispiel eine Bewerbung als Floristin oder Friseurin schickt – echt vorgekommen! – der wird wohl lange auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch warten müssen.

 

 

 

Die Bewerbung – klassisch per Post oder per Email?

Auf den Weg zu einer tollen Ausbildungsstelle bzw. einem tollen Job hat der liebe Gott leider einige Stolperfallen eingebaut.
Die erste ist die Bewerbung.

Die hierbei erste entscheidende Frage: Bewerbe ich mich klassisch mit einer Bewerbungsmappe per Post oder bewerbe ich mich per Email?

Grundsätzlich geht beides – es sei denn, die jeweilige Agentur schließt einen dieser Bewerbungswege in der Stellenanzeige aus.
Kleiner Hinweis: Bei uns bewerben sich die meisten Azubis noch mit einer klassischen Bewerbungsmappe, für alle anderen Positionen bekomme ich eigentlich nur noch Online-Bewerbungen.

Der Vorteil einer Bewerbungsmappe:
Der Inhalt ist automatisch gebunden, sortiert und somit leichter zu erfassen/zu lesen. Rein formell kann man mit einer Bewerbungsmappe keine Fehler machen. Es sei denn, es fliegen einem beim Öffnen der Mappe sämtliche Blätter entgegen, weil der Bewerber den Sinn der Klammern bzw. Heftungsmöglichkeiten nicht erkannt hat – Oder noch schlimmer: Man oder Frau öffnet den Briefumschlag und es flattern einem nur lose Blätter OHNE Mappe entgegen. Wer sich so bewirbt, bekommt seine Blättersammlung mit großer Wahrscheinlichkeit direkt wieder zurück.

Der Nachteil einer Bewerbungsmappe:
Irgendwie wird sie langsam altmodisch. Mit ihr macht man wie oben geschrieben sicher nichts falsch, aber eben auch nichts außergewöhnlich gut. Wenn man als Agentur durchschnittlich 700 (!!!) Azubi-Bewerbungen pro Jahr bekommt (auf „feste“ Stellen bekommen Agenturen weniger, aber immer noch unendlich viele Bewerbungen), dann haben es Bewerbungen in einer klassischen Bewerbungsmappe schon allein äußerlich schwieriger aufzufallen.

Der Vorteil von Online-Bewerbungen:
Du kannst deiner Bewerbung deine persönliche Note einhauchen. Es gibt kein äußerliches Raster, in die du deine Bewerbung „quetschen“ musst, sondern du bist frei in der Gestaltung deiner Bewerbung. Ob Powerpoint-Präsentation oder einfach nur ein schickes Layout (was natürlich auch bei einer postalischen Bewerbung möglich ist, aber meist nicht passiert), alles ist möglich. Und außerdem spart man bei Online-Bewerbungen natürlich die Kosten für Bewerbungsmappen und Porto.

Der Nachteil von Online-Bewerbungen:
Meist sind sie unübersichtlicher. Denn was sich wohl noch nicht rumgesprochen hat: Weniger ist mehr.
Weniger zum einen in Bezug auf die Anzahl der Anhänge. Bitte niemals (!!!!) eure Dokumente (Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse etc.) in mehr als 5 einzelnen Anhängen mitschicken. Am besten alles in ein PDF packen, das ist am einfachsten. Niemand hat Lust, sich durch 20 Anhänge zu klicken und für jedes Zeugnis Puzzle oder „finde Seite 2“ zu spielen.
Weniger ist zum anderen mehr in Bezug auf die Art wie ihr euch darstellt. Klar, die Werbung ist eine Welt voller Kreativen und jeder will zeigen, dass er oder sie besonders kreativ ist. Aber zu viel Farbe und TamTam geht nach hinten los. Schlichte Gestaltung und die Fokussierung auf das Wesentliche sind eher erfolgsbringend.