Ihr seid einen Schritt weiter und wisst nun: Ja, ich will in die Werbung.

Prima. Dann kommt jetzt die nächste wichtige Entscheidung: Gehe ich in eine kleine oder eine große Agentur?

Auch das ist wieder eine Typfrage. Ich habe beides kennengelernt und folgende Erfahrung gemacht:

 

In einer kleinen Agentur trifft man der Natur nach auf einen eher überschaubaren Kreis an Kollegen. Das Miteinander ist sehr familiär und somit sehr vertraut und eng. Schaut man sich das Kundenportfolio an, so findet man dort meist regionale Firmen. Deren Aufträge sind eher print-lastig (Broschüren, Geschäftsausstattung, Flyer, Angebotsanzeigen etc.).  Gefragt sind hier Allround-Talente, die den Kunden beraten und seine Aufträge annehmen, die Angebote einholen, die auch „mal eben“ selber eine Anzeige layouten, die zur Druckerei fahren und die Anzeige/Broschüre oder ähnliches abnehmen und die zum Schluß dann auch die Rechnung an den Kunden schicken.

 

In einer großen Agentur arbeitet man mit vielen Kollegen zusammen. Und man trifft des Öfteren auf jemanden, bei dem man sich ganz sicher ist, denjenigen noch nie gesehen zu haben. Der Umgang miteinander ist innerhalb der Teams familiär. Teamübergreifend kennt man vielleicht nicht zu jedem Gesicht den passenden Namen, aber trotzdem herrscht eine offene, freundschaftliche und angenehme Atmosphäre. Die Kunden sind meist große oft auch internationale Unternehmen mit bekannten Marken. Sie wünschen sich ganzheitliche Kommunikationskonzepte, die auf einer Idee fußen, die sich über alle Kommunikationskanäle umsetzen lässt. Klassisch entwickeln große Agenturen also TV- und Radio-Spots, Anzeigen, Plakate etc., aber zunehmend eben auch Maßnahmen abseits dieser Kanäle.  In großen Agenturen arbeiten Spezialisten, die jeweils einen kleinen Ausschnitt eines Projektes betreuen und dieses dann an den nächsten Kollegen weitergeben. Ein kleines und stark verkürztes Bespiel: Der Kundenberater stimmt den Auftrag mit dem Kunden ab und übersetzt den Wunsch des Kunden in ein Briefing, welches er an die Kreation gibt. Texter und Art Director entwickeln die Idee und legen fest, mit welchem Medium (bspw. TV-Spot) die Idee transportiert werden soll. Danach wird die FFF (Film-Funk-Fernseh-Abteulung) ins Boot geholt, damit die dortigen Producer dann Regisseur und Dreh-Location auswählen können.  Nach dem Dreh überwachen Art Director und Producer die Post-Production (Nachbearbeitung des TV-Spots), während der Kundenberater den Kunden ständig informiert hält und letztendlich seine Freigabe für den endgültigen Spot einholt. In Nebenrollen treten hier eigentlich noch das Planning, die Marktforschung, das Projektmanagement und viele weitere auf. Aber das würde den Rahmen sprengen.

 

Wie ihr hoffentlich seht, sind die Herausforderungen und Anforderungen in großen und kleinen Agenturen ganz unterschiedliche. Und die eigentlich Frage, die sich jeder vor der Bewerbung stellen sollte, ist eine ganz simple: Bin ich eher Generalist oder Spezialist? Mag ich es lieber klein, familiär und national oder groß, freundschaftlich und international?

 

Diese Frage kann sich nur jeder selbst beantworten, es gibt kein Richtig oder Falsch.

Ich habe eine Antwort auf diese Frage über Praktika und somit über das Erleben beider Modelle gefunden. Wenn ihr die Möglichkeit habt, Praktika zu machen, würde ich euch diesen Weg empfehlen. Und falls ihr keine Praktika (mehr) machen könnt und euch nicht sicher seid, welcher Agenturtyp besser zu euch passt, dann bewerbt euch am besten sowohl bei einer oder mehreren großen und kleinen Agenturen und prüft im Bewerbungsgespräch, welches Modell besser zu euch passt.